Australien bietet sehr gute Arbeitsmöglichkeiten für qualifizierte Elektriker. In vielen Branchen – vom Wohnungsbau über Industrie und Infrastruktur bis hin zu erneuerbaren Energien – werden Fachkräfte gesucht.

Wichtig ist allerdings zu beachten: Elektriker-Jobs sind in Australien zulassungspflichtig. Als licensed trade unterliegt diese Tätigkeit klaren gesetzlichen Vorgaben, insbesondere im Hinblick auf Arbeitssicherheit, Qualifikationsstandards und Verantwortlichkeiten.

Wer mit einer deutschen Ausbildung als Elektriker in Australien arbeiten möchte, benötigt in der Regel ein Skills Assessment, eine staatliche Lizenz (häufig zunächst provisional) und ein passendes Visum.

Warum Australien attraktiv für Elektriker ist

Australien investiert stark in Wohnungsbau, Industrieprojekte und erneuerbare Energien. Elektriker werden in vielen Sektoren gesucht – von Neubau und Instandhaltung bis zu PV- und Windprojekten. Gleichzeitig sind elektrische Arbeiten sicherheitskritisch, weshalb die Tätigkeit streng reguliert ist: Nur lizenzierte Personen dürfen eigenständig arbeiten.

Der Elektriker-Beruf in Australien – Aufgaben und Anforderungen

In Australien wird der Beruf unter der Bezeichnung Electrician (General) geführt. Elektriker arbeiten typischerweise an Installationen und Systemen in Wohn- und Geschäftsgebäuden, in industriellen Umgebungen oder im Rahmen von Infrastrukturprojekten. Zu den typischen Tätigkeiten gehören unter anderem:
  • Installation elektrischer Anlagen in Wohn-, Gewerbe- und Industriegebäuden

  • Wartung, Prüfung und Reparatur elektrischer Systeme

  • Arbeiten nach technischen Plänen und geltenden Sicherheitsvorschriften

  • Durchführung gesetzlich vorgeschriebener Sicherheits- und Funktionstests

Der Beruf des Elektrikers ist in Australien ein zulassungspflichtiger Beruf („licensed trade“). Das bedeutet, dass Arbeiten an elektrischen Anlagen grundsätzlich nur von Personen ausgeführt werden dürfen, die über eine entsprechende Lizenz verfügen. Die Lizenzierung ist nicht bundesweit einheitlich, sondern wird von den einzelnen Bundesstaaten geregelt. Jeder Bundesstaat hat eigene zuständige Behörden (z. B. Energy Safe Victoria) und eigene Regelungen.

Unterschiede für die Berufsausübung zwischen Deutschland und Australien

In Deutschland genügt in der Regel eine abgeschlossene Berufsausbildung, um als Elektriker arbeiten zu können; eine zusätzliche Lizenz oder Arbeit unter spezieller Aufsicht ist normalerweise nicht erforderlich.

In Australien ist der Erwerb einer Lizenz im Anschluss an die formale Qualifikation dagegen zwingend – unabhängig davon, in welchem Land die Qualifikation erworben wurde.

Kann man mit einer deutschen Ausbildung als Elektriker in Australien arbeiten?

Australische Arbeitgeber sind grundsätzlich offen für Fachkräfte mit ausländischer Ausbildung, und deutschen Handwerkern eilt oft ein guter Ruf voraus. Dennoch ist es ohne australische Zulassung nicht erlaubt, offiziell als vollqualifizierter Elektriker tätig zu sein. Diese Regelung dient dem Schutz von Kunden, Unternehmen und Arbeitnehmenden und stellt sicher, dass elektrische Arbeiten nach australischen Sicherheitsstandards ausgeführt werden.

In der Praxis bedeutet dies:

  • Trotz Berufsausbildung ist ohne Lizenz in der Regel nur eine Tätigkeit als Trade Assistant möglich.

  • Trade Assistants unterstützen zugelassene Elektriker, dürfen jedoch keine eigenständigen Elektroarbeiten durchführen.

  • Diese Tätigkeit kann einen Einstieg in den australischen Arbeitsmarkt darstellen, ersetzt jedoch keine formale Anerkennung und Lizenz.

Möchte man den Arbeitsmarkt erst einmal kennenlernen und hineinschnuppern, zum Beispiel unkompliziert mit einem Working-Holiday-Visum, ist das möglich. Plant man dagegen eine langfristige und qualifizierte Beschäftigung mit entsprechender längerfristiger oder dauerhafter Aufenthaltserlaubnis – oder möchte man sich als Elektriker in Australien selbstständig machen – kommt man um die Lizenz in der Regel nicht herum.

Als Elektriker in Australien arbeiten – Was Sie mitbringen müssen, um eine Lizenz zu bekommen

Um eine occupational licence als Electrician zu erhalten, müssen zwei wesentliche Kriterien erfüllt sein.

Berufsausbildung – Wird die deutsche Ausbildung in Australien anerkannt?

Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist die Grundvoraussetzung. Deutsche Ausbildungen im Elektrobereich, beispielsweise als Elektriker bzw. Elektroniker mit entsprechenden Spezialisierungen, werden in Australien grundsätzlich berücksichtigt. Die Anerkennung erfolgt jedoch nicht automatisch, sondern wird immer einzelfallbezogen geprüft. Bewertet werden unter anderem Umfang und Dauer der Ausbildung, die einzelnen Ausbildungsinhalte sowie die verleihende Institution.

Berufserfahrung – mehrjährig, relevant und aktuell

Allein der Nachweis der Qualifikation reicht nicht aus; zusätzlich ist in der Regel mehrjährige Berufserfahrung erforderlich. Ausbildungszeit kann unter bestimmten Voraussetzungen, zumindest teilweise, als relevante Berufserfahrung gewertet werden – dies  sollte in jedem Einzelfall betrachtet werden. Idealerweise liegt ausreichend Berufserfahrung im Anschluss an die Ausbildungszeit vor.  Denn anerkannt wird nur bezahlte Berufserfahrung auf dem erforderlichen Skill-Level, also keine Hilfstätigkeiten. Je nach Anerkennungsweg sind mehrere Jahre erforderlich. Außerdem muss sichergestellt sein, dass die Arbeitserfahrung aktuell ist und nicht zu lange zurückliegt.

Die Zulassung als Elektriker

Skills Assessment – Anerkennung der Qualifikation und erster Schritt zur Lizenzierung

Das Skills Assessment ist ein zentraler Schritt für Fachkräfte mit nicht-australischer Qualifikation. Hierbei wird einzelfallbezogen geprüft, ob die vorhandene Qualifikation mit den australischen Anforderungen vergleichbar ist und die Berufspraxis dem australischen Kompetenzniveau bzw. Berufsprofil entspricht. Das Skills Assessment umfasst in der Regel mehrere Bestandteile, die sowohl die formalen Nachweise als auch die praktischen Fähigkeiten bewerten. Anders als bei vielen anderen Berufen erfolgt die Anerkennung bei licensed trades nicht rein auf Aktenlage: Neben der Prüfung der Unterlagen beinhaltet der Berufsanerkennungsprozess häufig ein technisches Interview sowie eine praktische Prüfung. Typische Elemente des Skills Assessments für Elektriker sind:
  • Dokumentenprüfung: Prüfung von Ausbildungs- und Arbeitsnachweisen sowie der praktischen Berufserfahrung

  • Technisches Interview: Fachgespräch mit einem australischen Prüfer (in der Regel online)

  • Praktische Prüfung: Praktische Überprüfung der beruflichen Fähigkeiten in einem zugelassenen Testcenter (Standorte z. B. in Australien oder Großbritannien)

Alle Schritte müssen erfolgreich nacheinander absolviert werden. Bei positivem Abschluss erhält man einen Offshore Technical Skills Record (OTSR) als Nachweis der bestätigten Kenntnisse. Mit diesem OTSR kann man in vielen Fällen eine vorläufige Lizenz (provisional licence) beantragen.

Supervised employment und Gap Training

Mit einer provisional licence kann man in Australien als Elektriker unter Aufsicht arbeiten. Dies ist in der Regel Voraussetzung, um später eine vollwertige Lizenz zu erhalten. Die Arbeit unter Aufsicht dient dem Kennenlernen lokaler Vorschriften und Arbeitsweisen. Während dieser Zeit absolviert man das sogenannte Gap Training, das dazu dient, Unterschiede zwischen der internationalen Ausbildung und den australischen Standards zu schließen. Inhalte sind insbesondere:
  • australische Sicherheitsvorschriften

  • lokale Normen und technische Standards

  • praktische Anwendung im australischen Arbeitsumfeld

Nach erfolgreichem Abschluss erhält man ggf. einen australischen Berufsabschluss, das Certificate III in Electrotechnology (Electrician) und erfüllt damit die formalen Voraussetzungen für die volle Elektriker-Lizenz.

Welche Visumoptionen gibt es? — Die wichtigsten Wege für Elektriker

Welches australische Visum das Richtige ist, hängt von der persönlichen Zielsetzung und den individuellen Voraussetzungen ab.

Working Holiday Visum – unkompliziert reinschnuppern

Je nach Nationalität und Alter kann das Working Holiday (Subclass 417) oder das Work & Holiday (Subclass 462) eine Option sein, um den australischen Arbeitsmarkt zunächst kennenzulernen, Kontakte zu Arbeitgebern zu knüpfen und zu prüfen, ob man den Skills-Assessment-Weg anschlagen möchte.

Arbeitgeber-Sponsorship – Visum mit Jobangebot

Der Fachkräftemangel bei den licensed trades – und gerade bei den Electricians – ist hoch. Ein Sponsorship für diese Fachkräfte ist daher häufig und kein Ausnahmefall. Ein Skills Assessment zu absolvieren, bevor man sich auf Sponsorensuche macht, kann helfen, das Interesse eines Arbeitgebers zu wecken.

Hat man einen Arbeitgeber gefunden, kann ein Employer-Sponsorship im ersten Schritt über ein Skills in Demand Visa (Subclass 482) (befristet, bis zu vier Jahre) und in einem zweiten Schritt (nach Erhalt der vollen Elektriker Zulassung)  – über das Employer Nominated Visa (Subclass 186) für eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis ein gangbarer Weg sein.

Licensed Trades benötigen für jedes dieser Visa ein gültiges Skills Assessment. Auf einem entsprechenden Visum können supervised employment und Gap Training absolviert werden, um auf diesem Weg zur vollständigen Zulassung zu gelangen.

General Skilled Migration – Die Visa über den Punktetest

Voraussetzung, um sich mit einer Expression of Interest für eines der punktbasierten Visa zu bewerben, ist das Absolvieren des Skills Assessments.

Mit Erhalt eines Skilled-Visums hat man volle Arbeitsrechte und entweder direkt eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis oder einen klar definierten Pfad dorthin. Das erleichtert in vielen Fällen die Arbeitssuche, weil Arbeitgeber kein formelles Sponsorship leisten müssen.

Aktuell sind Bauhandwerker, darunter Elektriker, bei Einladungen für Skilled-Visa häufig gut positioniert. Sowohl beim Skilled Independent (189) als auch bei den beiden State-nominated Visa (190 und 491) sind diese Berufe oft weit vorn auf den Nominierungslisten.

Fazit: Als Elektriker in Australien arbeiten

Als deutscher Elektriker in Australien zu arbeiten ist möglich, erfordert jedoch sorgfältige Vorbereitung und Planung. Ohne Skills Assessment geht es in der Regel nicht – diese Hürde ist mit einer deutschen Ausbildung jedoch überwindbar, da die Voraussetzungen grundsätzlich gegeben sind. Eine durchdachte Visumsstrategie und systematische Planung können zudem einen Pfad zur australischen Permanent Residency eröffnen.

Wer diese Schritte versteht und systematisch durchläuft, kann in Australien langfristig als Elektriker tätig sein – mit guten Beschäftigungsaussichten und klar geregelten Arbeitsbedingungen. Eine frühzeitige und strukturierte Planung ist dabei besonders hilfreich, um den Prozess effizient und realistisch anzugehen.

FAQs: Die wichtigsten Fragen:

Ja — aber nur sofern ein Skills Assessment erfolgreich absolviert und eine staatliche Lizenz beantragt und erteilt wurde.

Ja. Elektriker sind in Australien ein licensed trade: die Lizenz wird auf Bundesstaatsebene vergeben. Ohne Lizenz sind nur unterstützende Tätigkeiten (z. B. als Trade Assistant) möglich.

Ein Working-Holiday-Visum erlaubt Arbeit, eignet sich gut zum „Reinschnuppern“. Es berechtigt aber meist nicht zur eigenständigen Ausübung lizenzpflichtiger Elektroarbeiten — in der Praxis arbeiten WHV-Inhaber oft als Trade Assistant.

Wichtige Optionen sind: Working Holiday (417/462), Employer-Sponsorship / TSS (482), Employer Nominated (186) sowie die punktbasierten Routen Skilled Independent (189) und die State-nominated (190/491). Die passende Wahl hängt von Ziel, Arbeitgeberstatus und persönlichen Voraussetzungen ab.

Gap Training schließt fachliche Lücken zwischen ausländischer Ausbildung und australischen Standards; supervised employment ist die praktische Arbeit unter Aufsicht eines lizenzierten Elektrikers. Beide Schritte sind oft Voraussetzung für die volle Lizenz.

Für das Skills Assessment ist kein offizieller Englischtest erforderlich. Dennoch sind grundlegende Englischkenntnisse nötig, um sich im Rahmen des Interviews und im Practical Assessment entsprechend ausdrücken und verständigen zu können.

Für Visumszwecke wird ein formaler und offiziell zugelassener Englischtest gebraucht. Das Sprachlevel hängt vom jeweiligen Visum ab.