Hochqualifizierte Zuwanderer leisten einen messbaren Beitrag zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Australiens. Das bestätigen auch wieder jüngste Auswertungen und Studien der australischen Regierung zu diesem Thema. Entsprechend ist und bleibt die General Skilled Migration, also jene Visa, die über den Punktetest vergeben werden und kein Arbeitgeber Sponsorship erfordern, ein wesentlicher Baustein in der australischen Migrationspolitik. Der Punktetest selbst bewertet Bewerberinnen und Bewerber nach definierten Merkmalen, wie Ausbildung, Alter, Englischkenntnisse und Berufserfahrung. Für das Skilled Independent Visa ist dieser Punktetest das zentrale Instrument bei der Bewerberauswahl.
Stellenwert des 189-Visums und Reformbedarf
Das 189-Visum spielt eine zentrale Rolle in Australiens Strategie zur Gewinnung von Fachkräften. Personen, die über diesen Weg einwandern, bringen häufig Qualifikationen und Erfahrungen mit, die unmittelbar zum wirtschaftlichen Erfolg beitragen.
In den vergangenen Jahren allerdings war das Einladungsgeschehen gerade beim Skilled Independent-Visum häufig schwer planbar: lange Pausen zwischen Runden, intransparente Abläufe und fehlende Kommunikation erschwerten die Steuerung des Programms und ließen Potential ungenutzt.
Die laufenden Reformmaßnahmen setzen deshalb an praktischen Stellschrauben an: Regelmäßigere Einladungsrunden, klarere Prioritäten für Berufe und definierte Grenzen. All das soll die Auswahl transparenter und planbarer machen — zugunsten der australischen Wirtschaft und zugunsten der Bewerbenden.
Wesentliche Änderungen
Regelmäßigkeit der Einladungsrunden
Eine der wichtigsten Änderungen betrifft die Häufigkeit und Vorhersehbarkeit der Einladungsrunden. Statt langer, unregelmäßiger Pausen sind nun regelmäßige, angekündigte Runden vorgesehen — etwa quartalsweise, kombiniert mit der Möglichkeit für zusätzliche, gezielte Einladungsrunden während des Jahres.
Warum das relevant ist: Eine planbare Rhythmik reduziert das Risiko eines sich aufbauenden Rückstaus im Skill Select-Pool, sorgt für kürzere Wartezeiten und ermöglicht es der Verwaltung, schneller auf Veränderungen in der Arbeitsmarktlage zu reagieren. Für Bewerbende bedeutet das praktische Vorteile: besser kalkulierbare Fristen, weniger Unsicherheit und eine klarere Einschätzung darüber, wann eine Einladung realistisch ist. Außerdem ermöglicht dies der australischen Regierung, hochinteressante Bewerbung zeitnah zu berücksichtigen, statt diese monatelang ungenutzt im System zu lassen. Diese Maßnahme ist ein zentraler Punkt der operativen Effizienzstrategie des Departments.
Die Einordnung hat unmittelbare Auswirkungen auf die Einladungschancen: Berufen in höheren Stufen werden mehr Plätze eingeräumt, während bei Berufen mit hoher Angebotslage selektiver vorgegangen wird. Wichtiger Hinweis: Die Zugehörigkeit zu einer Stufe ist kein Dauerzustand. Die Zusammensetzung der Prioritäten wird regelmäßig überprüft und kann an veränderte wirtschaftliche Bedürfnisse angepasst werden. Diese systematische Priorisierung soll sicherstellen, dass begrenzte Einladungsplätze tatsächlich dort ankommen, wo sie langfristig den größten Nutzen bringen.
Deckelungen (occupation ceilings) — wie verfügbare Einladungsplätze bestimmt werden
Ein zentrales Element der Reform ist die Einführung verbindlicher occupation ceilings — Obergrenzen, die festlegen, wie viele Visa in einem Programmjahr maximal für ein bestimmtes Berufsbild vorgesehen sind. Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel mit anderen Programmen: Viele Visumsgenehmigungen werden bereits über Employer-Sponsorship, staatliche Nominierungen oder regionale Programme vergeben. Die Subclass 189 erhält danach nur jene Plätze, die nach Abzug dieser anderen Genehmigungen bis zum Erreichen der occupation ceiling verbleiben. Anders formuliert: Die 189-Zuteilung füllt die ungenutzten Kapazitäten bis zur Obergrenze — sie schafft keine unbegrenzten zusätzlichen Plätze.
Berechnungsprinzip (vereinfacht):
- Die Obergrenze wird aus dem Beschäftigtenbestand („Stock“) eines Berufsbildes berechnet und mit einem Multiplikator multipliziert (Tier-abhängig; Je höher die Priorität desto höher der angewendete Multiplikator).
- Von dieser Obergrenze werden die Visumgenehmigungen aus anderen Programmen abgezogen; was verbleibt, ist die maximale Zahl an Plätzen, die über Subclass 189 für diesen Beruf erhalten werden kann.
Ein praktisches Rechenbeispiel macht das Prinzip deutlich:
- Im Beruf Early Childhood Teacher waren Ende 2024/25 79.171 Personen beschäftigt. Als Tier-2-Beruf wird ein Multiplikator von 2,0 % angewandt; daraus ergibt sich ein occupation ceiling von 1.583 Visa-Grants für 2025/26 (79.171 × 2,0 % = 1.583).
- Im Vorjahr wurden für dieses Berufsbild 556 Genehmigungen über andere Visa Programme vergeben. Für die Subclass 189 verbleiben demnach 1.027 Plätze in 2025/26 (1.583 − 556 = 1.027).
Das Beispiel veranschaulicht: Die 189-Zuteilung folgt nun einer klaren Rechenlogik und füllt lediglich die ungenutzten Kapazitäten bis zur festgelegten Obergrenze.
Operative Steuerung: Monitoring und Konversionsraten
Die Reformen sind begleitet von operativen Änderungen: Prioritäten und Deckelungen werden nicht als starre Vorgaben etabliert, sondern als Teil eines fortlaufenden Steuerungsprozesses verstanden. Zentral ist dabei die Analyse der Konversionsraten. Dabei wird betrachtet, wie viele Einladungen tatsächlich in abgegebenen Visumanträge und schließlich in erteilten Visa münden. Auf Basis dieser Daten werden die Einladungsvolumina für das kommende Programmjahr kalibriert.
Das regelmäßige Monitoring, die Jahresüberprüfungen und die Abstimmung mit anderen Regierungsstellen sollen verhindern, dass Einladungen vergeben werden, die nicht genutzt werden, und zugleich gewährleisten, dass das System flexibel auf veränderte Nachfrage reagiert. Diese strategische Steuerung erhöht die Vorhersehbarkeit für alle Beteiligten und verhindert Fehleinschätzungen.
Bedeutung für Bewerber — Chancen und Herausforderungen
Für Bewerbende bringt das neue Modell deutliche Vorteile:
- Mehr Planbarkeit & weniger Rückstau
Regelmäßige, angekündigte Einladungsrunden verhindern eine übermäßige Backlog-Bildung und verkürzen Wartezeiten. Das wirkt sich besonders positiv für Bewerbende mit niedrigeren Punktzahlen aus. - Realistischere Einschätzung der Einladungschancen
Klarere Prioritäten und transparentere Abläufe machen ersichtlich, in welchen Berufsgruppen die Chancen tatsächlich höher liegen. Das reduziert Unsicherheit und macht strategisches Bewerben möglich. -
Gezieltere Analyse des Optimierungsbedarfs (Punkte-Strategie)
Die größere Vorhersehbarkeit erleichtert die Beurteilung, ob Investitionen in die Punkteverbesserung sinnvoll sind (z. B. Englischtest Optimierung, Naati Test, Partner Skills), und hilft so, Aufwand und Nutzen realistisch abzuwägen.
Gleichzeitig macht das Zusammenspiel von Punkten, Berufseinstufung, Deckelungen und Konversionsraten eine strategische Herangehensweise immer wichtiger.
Fazit — fachliche Begleitung bleibt sinnvoll
Die Reformen beim Skilled Independent (Subclass 189) bedeuten eine klare Neuausrichtung hin zu mehr Planbarkeit, Zielgerichtetheit und Transparenz. Regelmäßige Einladungsrunden, die Kategorisierung von Berufen in Prioritätsstufen und verbindliche occupation ceilings mit transparenter Berechnungslogik stellen sicher, dass die Subclass 189 die verbleibenden Kapazitäten bis zu einem festgelegten Deckel auffüllt.
Für Bewerbende bedeutet dies: Informationsvorsprung, strategische Einschätzung und ggf. professionelle Unterstützung werden wichtiger. Wenn Sie Ihre Chancen im neuen System realistisch einschätzen oder eine strategische Vorgehensweise entwickeln möchten, unterstützen wir Sie dabei. Unsere Registered Migration Agents bieten Ihnen individuelle Beratung, eine fundierte Einordnung Ihrer Chancen und stehen Ihnen als strategische Partner zur Seite.